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„Die Ausführung lässt sehr zu wünschen übrig“

10.01.2013 - WETTERAUKREIS

(ten). Bereits im Oktober hatte der Kreis-Anzeiger über fehlerhafte Straßensanierungen im Kreis berichtet. Die zuständige Behörde Hessen Mobil versprach, dass der Schaden behoben wird. Weil das jedoch bislang nicht geschehen ist, sind an Fahrzeugen und an der Kanalisation erhebliche Schäden entstanden.

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Markus Gerlach erklärte, dass die Beschränkung auf 30 Stundenkilometer nichts nütze, da die Steine dennoch weggeschleudert würden.

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Vor knapp einem Vierteljahr ließ Hessen Mobil auf zehn Teilstrecken mit insgesamt rund 13 Kilometern Länge Bitumen aufspritzen, der mit Splitt abgebunden werden sollte. Die Oberflächenbehandlung sollte nach Angaben von Carmen Koch, Pressesprecherin von Hessen Mobil, kleinere Schäden in der Straßendecke heilen, Frostschäden im Winter verhindern und die Lebensdauer der Straßen verlängern.

„Die Grundidee ist okay, aber die Ausführung lässt sehr zu wünschen übrig“, sagt Büdingens Erster Stadtrat Manfred Hix. Er wohnt am Kaspersberg in Wolferborn und bekam die Folgen der Arbeiten vor der Haustür hautnah mit: Kaum dass der Splitt aufgetragen worden war, lösten sich die Steine wieder.

Dass sich Steinchen aus der Oberfläche lösen, ist bei ähnlichen Arbeiten normal. Doch im Gegensatz zu anderen Behandlungen mit Bitumen und Splitt trat bei den jüngsten Oberflächenbehandlungen kein Stillstand beim Ablösungsprozess ein. Wochenlang war der Kaspersberg, wie auch die übrigen Straßen beispielsweise in Vonhausen, Gelnhaar und Usenborn, in eine Staubwolke gehüllt.

Nach inzwischen einem Vierteljahr sind große Flächen der behandelten Straßen blank. Die Autos haben den Splitt in die Rinnsteine, auf Gehwege, Grundstücke und andere Fahrzeuge geschleudert. Auch das Bitumen, das durch den Splitt gebunden werden sollte, ist nicht auf der Fahrbahn geblieben. Es haftet großflächig an Flanken und Radkästen der Autos, die über die Straßen fuhren.

Entsprechend wütend sind deren Eigentümer. Markus Gerlach, Ortsvorsteher in Michelau, das nur über den Kaspersberg zu erreichen ist, hat rund 40 Beschwerden aus dem kleinen Dorf erhalten. „Vor Weihnachten hat auf der Michelau der Baum gebrannt“, berichtet er, das Telefon stand nicht mehr still. Immer wieder riefen Bürger an und wollten wissen, wer für die Schäden aufkommt. Gerlach möchte eine Liste der Geschädigten mit Kostenvoranschlägen anlegen und an Hessen Mobil weiterreichen.

„Warum hat man nicht eine neue Decke draufgemacht?“, wundert sich Gerlach. Ein Drittel der Fahrbahn sei ohnehin erneuert worden, als im Sommer Gasleitungen gelegt wurden. „Die anderen zwei Drittel hätten der Kreis und die Stadt bezahlen können.“ Auch Hix wundert sich, dass nicht zumindest die Anschlüsse der Oberflächenbehandlung an die bestehende Decke sinnvoll ausgeführt wurden, sodass sich an den Kanten der Splitt besonders schnell löste. „Das ist ein Dumme-Buben-Streich“, ärgert sich Willi Georg, Anwohner am Kaspersberg. „Ich kehre jeden Tag den Bürgersteig ab. Die Steine liegen bis in die Küche.“ Diese Erfahrung musste auch Hix machen, dem erst vergangene Woche wieder ein Steinchen unter der Küchentür die Fliesen verkratzte.

Die Schäden addieren sich im Abwassersystem. „Das Wasser treibt den Splitt in die Sinkkästen und die Kanalisation“, erklärt Hix. Man habe Hessen Mobil bereits angekündigt, dass die Stadtwerke nach Abschluss der Arbeiten ihre Reinigungskosten wegen verstopfter Sinkkästen und Splitt in den Rohren in Rechnung stellen werden. Dazu könne auch eine Kanalbefahrung notwendig werden.

Reiner Berthold vom Bauamt in Ortenberg prognostiziert ebenfalls erhebliche Schadenersatzforderungen der Stadt. Dabei hat er die Unterstützung von Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. „Es kann nicht sein, dass die Abgabenzahler in Haftung genommen werden.“ Auch Hix ist kämpferisch. „Wir werden nicht locker lassen, ich kann es nicht auf die Stadt und den Steuerzahler abwälzen.“

Hessen Mobil hat im vergangenen Vierteljahr jedoch außer einer Geschwindigkeitsbeschränkung offenbar fast nichts unternommen. Mit einer Kehrmaschine wurde zwar mehrfach versucht, die losen Steine aufzunehmen. Jedoch finden sich immer wieder zahlreiche Steine auf den Fahrbahnen und in den Rinnsteinen. So werden die Schäden an Kanal und Fahrzeugen täglich größer.

„Die ausführende Firma muss das auf schnellstem Weg abfräsen“, fordert Berthold. Eine Meinung, die auch Hix teilt. Pfeiffer-Pantring wundert sich auch, warum die Oberflächenbehandlung so umfangreich ausgeführt wurde, obwohl die Probleme absehbar waren. „Warum ich das kilometerweit mache, anstatt das nach kurzem Weg abzubrechen, kann ich nicht verstehen.“

Inzwischen wurde nach Angaben von Koch zumindest mit dem Abfräsen der betroffenen Strecken begonnen. Dabei würden die Ortsdurchfahrten bevorzugt behandelt. Im Frühjahr sollen dann alle fehlerhaften Straßen ordnungsgemäß wiederhergestellt sein. Bei den Schäden sieht Hessen Mobil die ausführende Firma in der Verantwortung. Deren Haftpflichtversicherung werde nach Einzelfallprüfungen die Schäden erstatten.

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